Agentur-Projektmarge berechnen – ohne Scheingenauigkeit
Formel, Kostenbasis, Festpreis- und Stundenmodelle: Projektmarge für Agenturen richtig berechnen und Datenlücken offenlegen.
Kostensatz und Stundensatz werden in Agenturen leicht vermischt, beantworten aber zwei völlig verschiedene Fragen. Der Kostensatz modelliert, was eine geleistete Stunde intern wirtschaftlich kostet. Der Abrechnungssatz beschreibt, zu welchem Preis abrechenbare Zeit gegenüber einem Kunden bewertet wird. Erst die saubere Trennung macht Deckungsbeitrag und Projektmarge nachvollziehbar.
Der Kostensatz gehört auf die Kostenseite. Er bewertet die Delivery-Zeit eines Teammitglieds oder Projekts. Welche Bestandteile darin enthalten sind, hängt von deiner internen Kostenrechnung ab. ScopeLedger schreibt deshalb keinen universellen Branchenwert vor.
Der Abrechnungssatz gehört auf die Umsatzseite eines Stundenmodells. Er sagt, zu welchem Preis eine explizit abrechenbare Stunde modelliert wird. Ein hoher Abrechnungssatz sagt allein noch nichts darüber aus, ob ein Projekt profitabel ist.
Ein interner Kostensatz kann direkte Personalkosten, Arbeitgeberkosten und die tatsächlich produktiv verfügbaren Stunden berücksichtigen. Manche Agenturen beziehen zusätzlich bestimmte Gemeinkosten ein, andere behandeln diese separat. Entscheidend ist Konsistenz: Derselbe Satz darf nicht einmal als reine Personalkostenrate und an anderer Stelle als Vollkostensatz interpretiert werden.
Wenn der tatsächliche Kostensatz fehlt, kann ein Fallback eine Modellrechnung ermöglichen. Ein solcher Wert bleibt aber eine Annahme. Er sollte sichtbar gekennzeichnet und vor Pricing-, Personal- oder Budgetentscheidungen bestätigt werden.
Der externe Stundensatz kann sich nach Rolle, Kunde, Vertrag, Leistungsart oder Projekt unterscheiden. Er muss deshalb nicht aus dem Kostensatz abgeleitet sein. Pricing enthält häufig zusätzlich Risiko, nicht direkt fakturierbare Arbeit, Positionierung und gewünschte Marge.
Bei Stundenabrechnung darf ScopeLedger Umsatz nur aus Zeit modellieren, die ausdrücklich als billable klassifiziert ist. Fehlender Billable-Status wird nicht automatisch zu abrechenbarer Zeit.
Angenommen eine explizit abrechenbare Stunde wird mit 125 € bewertet und verursacht im Modell 52 € Delivery-Kosten. Dann verbleiben vor weiteren nicht berücksichtigten Kosten 73 € modellierter Deckungsbeitrag je solcher Stunde.
Bei 100 vergleichbaren Stunden wären das 12.500 € modellierte Umsatzbasis, 5.200 € Delivery-Kosten und 7.300 € modellierter Deckungsbeitrag. Diese Rechnung beschreibt das verwendete Projektmodell – nicht automatisch den Unternehmensgewinn.
Bei einem Festpreis bildet nicht der hinterlegte Abrechnungssatz die primäre Umsatzbasis, sondern das zum analysierten Projektumfang gehörende Honorar. Der Kostensatz bleibt dagegen wichtig, weil zusätzliche Delivery-Zeit die Kosten erhöht, ohne das vereinbarte Honorar automatisch zu verändern.
Deshalb kann ein Team einen attraktiven Listen-Stundensatz haben und trotzdem bei einem schlecht abgegrenzten Festpreisprojekt Marge verlieren.
Die häufigsten Fehlinterpretationen entstehen nicht durch die Formel selbst, sondern durch vermischte Bedeutungen. Prüfe deshalb immer, was ein importierter Satz tatsächlich beschreibt.
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